Strategien zur Förderung der Partnersprache  - Unsere Kurzmission

Im Rahmen meiner Arbeit in der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung habe ich gemeinsam mit meinem französischen Kollegen Frédéric Petit (Mouvement démocrate) an einer sog. Kurzmission mit dem Titel „Stand der Strategien zur Förderung des Lernens der Partnersprache“ gearbeitet. Eine Kurzmission ist wie ein Bericht zu verstehen, für den wir mit über zwanzig deutschen und französischen Vertretern und Vertreterinnen von verschiedenen Trägern, Organisationen und Gremien gesprochen haben.

Durch meine französische Mutter habe ich von klein auf französisch sprechen gelernt, wodurch Französisch ein Teil meiner saarländischen Identität ist. Im Gespräch mit Bekannten und Freund:innen aus Lothringen, mit Arbeitskolleg:innen, im Small-Talk im Supermarkt oder auf dem Sankt Johanner-Markt – Französisch hört man im Saarland überall und es ist nicht nur nützlich die Sprache zu können, sondern auch sehr erfüllend, wenn man sich freundschaftlich und locker zweisprachig bewegen kann.

Die Stärkung des Französisch-Spracherwerb ist für mich daher ganz persönlich ein großes Anliegen: Einerseits für die lokale, grenzüberschreitende Verständigung bei uns in der Großregion, andererseits aber auch für das Eröffnen von Chancen für Menschen. Mehrsprachigkeit ist dem Saarland in die Wiege gelegt und daran sollten wir weiteraufbauen. Doch der Trend sieht leider anders aus.

Vor dem Hintergrund der sinkenden Lernendenzahlen haben der französische Bildungsminister Pap Ndiaye und der damalige Bevollmächtigte für die deutsch-französischen kulturellen Beziehungen, Hendrik Wüst, am 24. November 2022 zwei Strategien beschlossen, mit denen sie eine Trendwende einleiten wollten. Mit der Kurzmission haben wir untersucht, inwiefern die Umsetzung der Strategien bisher gelungen ist und was es für konkrete Veränderungen braucht, um den Abwärtstrend aufzuhalten. Hier sind die drei wichtigsten Aspekte:

1.      Die Strategien von 2022 sind richtig, aber sie kommen noch nicht überall an.

Die Analyse der Interviews hat uns gezeigt, dass das Problem weniger der Mangel an Ideen als deren Umsetzung ist. Die Strategien von den Ministerien können nur dann wirksam werden, wenn sie auch wirklich bis in die Schulen gelangen. Trotzdem wissen wir aus dem Saarland, sehen wir aber auch in Bayern oder Hamburg, dass politische Entscheidungen und engagierte Akteure vor Ort tatsächlich etwas verändern können.

2.      Sprache lernt man nicht durch Unterricht allein, sondern durch Begegnung und konkrete Perspektiven.

Austausch, Mobilität, Tandems und frühe Kontakte mit dem Nachbarland sind zentrale Motivationsfaktoren. Gleichzeitig haben unsere Interviewpartner:innen berichtet, dass Menschen oftmals nicht wissen, welchen konkreten Mehrwert Französisch und Deutsch für Studium, Ausbildung und Beruf bieten kann. Besonders wichtig ist für mich als Grüne, besonders auch junge Menschen außerhalb der klassischen Gymnasialbildung und aus weniger privilegierten Regionen erreichen zu können und Spracherwerb zugänglicher zu machen.

 

3.      Ohne politischen Willen bleibt die Trendwende aus.

Außerdem hat der Bericht deutlich gemacht, dass Förderprogramme und gute lokale Projekte nicht ausreichen, wenn der Stellenwert der Partnersprache im Bildungssystem immer weiter sinkt. In Deutschland wird Französisch häufig nach der 10. Klasse abgewählt; in Frankreich wurde der Deutschunterricht ebenfalls immer weiter strukturell geschwächt. Deshalb braucht es verbindlichere Rahmenbedingungen und vor allem klare politische Entscheidungen, welchen Platz die Partnersprache künftig in unseren Bildungssystemen haben soll.

Hier geht es zu unserem ganzen Bericht.

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